Küche renovieren: 14 Ideen, ohne die Küche zu ersetzen
Eine Küche wird selten als Ganzes alt. Sie besteht aus Schichten, und die altern unterschiedlich schnell: Die Korpusse halten Jahrzehnte, die Scharniere auch. Was zuerst aufgibt, ist die Arbeitsplatte, dann der Boden, dann die Armatur.
Wer trotzdem die ganze Küche ersetzt, wirft dabei fast immer Teile weg, die noch völlig in Ordnung sind. Das ist der teuerste Weg zu einem Ergebnis, das sich auch Schicht für Schicht erreichen lässt.
Die folgenden 14 Ideen sind genau solche einzelnen Schichten. Manche kosten einen Nachmittag, manche ein Wochenende. Ganz am Ende steht, in welcher Reihenfolge sie sinnvoll sind und was sich davon auch in einer Mietwohnung machen lässt.
Die Schicht mit dem größten Effekt
Die Arbeitsplatte tauschen, alles andere behalten

Wenn nur eine Sache geändert wird, dann diese. Die Arbeitsplatte ist die größte zusammenhängende Fläche auf Augenhöhe, sie ist das, was man beim Betreten des Raumes zuerst sieht, und sie ist auch die Schicht, die am schnellsten verbraucht aussieht. Hier sind die Fronten und die alten Fliesen unangetastet geblieben, gewechselt hat nur die Platte. Der Raum liest sich trotzdem als renoviert. Welches Material wofür taugt, steht ausführlich im Beitrag zur Küchenarbeitsplatte.
Die Linie, an der neu auf alt trifft

Genau hier entscheidet sich, ob die Arbeit gut aussieht. Die neue Platte liegt auf Korpussen, die zwanzig Jahre alt sein können, und die Fuge dazwischen muss sauber und gleichmäßig verlaufen. Alte Korpusse sind selten überall gleich hoch; das wird beim Aufmessen ausgeglichen, nicht hinterher mit Silikon. Auch die vordere Kante gehört sauber verarbeitet, denn das ist die Stelle, an der man beim Arbeiten anlehnt.
Spüle und Armatur sind ein Tagesprojekt

Der Aufwand ist klein, die Wirkung überraschend groß, weil beides ständig berührt und ständig gesehen wird. Eine alte, verkalkte Armatur zieht eine ganze Küche nach unten. Wichtig vor dem Kauf: der vorhandene Ausschnitt in der Platte und der Durchmesser der Bohrung bestimmen, was überhaupt passt. Wer die Arbeitsplatte ohnehin tauscht, macht beides in einem Zug.
Der neue Boden kommt auf den alten

Klickvinyl wird schwimmend verlegt und braucht den alten Belag nicht zu entfernen, solange der eben und fest ist. Das spart den unangenehmsten Teil der Arbeit, nämlich das Herausreißen alter Fliesen. Zu bedenken ist die Aufbauhöhe: Der Boden wird ein paar Millimeter höher, was an der Tür und am Kühlschrank auffallen kann. Welcher Belag in der Küche wie lange hält, steht im Beitrag zum Küchenboden.
Oberflächen ändern, ohne etwas abzureißen
Die Rückwand kommt über die alten Fliesen

Alte Fliesen abzuschlagen ist Dreck, Lärm und beschädigter Putz. Eine Platte davor gesetzt ist in einem Nachmittag erledigt, und sie muss nicht die ganze Wand einnehmen: Hier läuft sie nur dort, wo tatsächlich gespritzt wird, und der Rest der Wand ist schlicht gestrichen. Genau das macht die Lösung günstig. Materialien und Formate stehen im Beitrag zur Küchenrückwand.
Die Fliesen selbst lackieren

Der günstigste sichtbare Eingriff überhaupt. Fliesenlack deckt Fugen und Fliesen in einem, und was vorher ein Raster aus den Achtzigern war, wird eine ruhige helle Fläche. Die Vorbereitung entscheidet: gründlich entfetten, anschleifen, grundieren. Hinter dem Herd ist die Beanspruchung am höchsten, dort hält Lack am kürzesten, und dort lohnt sich stattdessen eine Platte.
Folie auf die Fronten, wenn Lackieren nicht geht

Folierung ist die einzige Frontveränderung, die sich vollständig zurückbauen lässt, und damit die einzige, die in einer Mietwohnung ohne Diskussion möglich ist. Sie verlangt eine glatte Front und sehr saubere Vorarbeit, denn jedes Staubkorn zeichnet sich später ab. Dauerhafter ist Lackieren, und wie das geht, steht im Beitrag zum Küchenschränke streichen.
Etwas weglassen oder etwas ergänzen
Einen Oberschrank weglassen

Nicht jede Veränderung fügt etwas hinzu. In kleinen Küchen wirkt eine durchgehende Reihe Oberschränke wie eine niedrige Decke, und ein einzelner entfernter Schrank über der Arbeitsfläche verändert das Raumgefühl sofort. Der Stauraum, der dabei verloren geht, ist meist der am schlechtesten erreichbare gewesen. Wie man ihn an anderer Stelle zurückholt, steht im Beitrag zum Stauraum in der Küche.
Einen Hochschrank ergänzen

Die Umkehrung, und der günstigste Weg zu spürbar mehr Stauraum. Ein einzelner Hochschrank am Ende der Zeile kostet einen Bruchteil einer neuen Küche und nimmt nur sechzig Zentimeter Wand. Der Ton muss nicht exakt treffen; ein bewusst leicht anderer Farbton liest sich als gewollt, ein knapp danebenliegender dagegen als Fehler.
Den freistehenden Kühlschrank einfassen

Ein freistehendes Gerät neben einer Einbauzeile lässt die ganze Küche unfertig wirken, weil die Linie an dieser Stelle springt. Zwei Seitenwände und ein Oberschrank darüber machen daraus eine Nische, und die Zeile läuft wieder durch. Das Gerät bleibt dasselbe, nur der Rahmen ist neu.
Sockel und Kantenprofile

Der kleinste Posten auf dieser Liste und der, den man zuletzt vermutet. Sockelblenden vergilben, verziehen sich und stehen irgendwann ab; Übergangsprofile am Boden werden mit den Jahren stumpf. Beides ist Meterware, beides in einer Stunde gewechselt, und beides zieht den unteren Abschluss der Küche wieder gerade.
Geräte, Miete und der größere Fall
Geräte einzeln ersetzen, nicht im Paket

Geräte gehen nicht gemeinsam kaputt, also müssen sie auch nicht gemeinsam ersetzt werden. Ein neuer Backofen in einer alten Zeile sieht nicht falsch aus, solange die Nischenmaße stimmen, und die sind seit Jahrzehnten weitgehend genormt. Wer alle Geräte gleichzeitig tauscht, zahlt in einem Monat, was sich über Jahre verteilen ließe.
In der Mietküche, ganz ohne Werkzeug

Hier wurde nichts abgeschraubt und nichts überstrichen. Verändert haben ein Vorhang, ein Läufer, ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen, etwas Holz auf der Arbeitsplatte und ein paar Pflanzen. Das ist keine Renovierung, aber es ist der einzige Weg, der wirklich jedem offensteht, und in einer kleinen Küche verändert er mehr, als man erwartet.
Auch die große Küche wird nur in Schichten erneuert

Bei größeren Küchen wächst die Versuchung, alles auf einmal zu machen, weil der Unterschied größer erscheint. Tatsächlich ist es umgekehrt: Je mehr Fläche, desto teurer wird der Komplettaustausch und desto weniger fällt auf, dass die Korpusse dieselben geblieben sind. Neue Arbeitsplatten, eine neue Rückwand und eine neue Armatur reichen hier völlig.
Reihenfolge, Kosten und was in der Miete geht
Reihenfolge: erst alles, was Staub macht (Fliesen, Boden), dann die Arbeitsplatte, dann Fronten und Griffe, zuletzt Textilien und Deko. Wer umgekehrt anfängt, macht Fertiges wieder schmutzig. Kostenlogik: Sockelleisten und Griffe sind der kleinste Posten, Fliesenlack und Folie der nächste, Arbeitsplatte und Boden der größte, Geräte stehen für sich. In der Miete ohne Rückfrage möglich: Textilien, Rollwagen, Folie, freistehende Möbel. Mit Zustimmung: Arbeitsplatte, Boden, Rückwand, Lackieren. Faustregel: alles, was beim Auszug mitgenommen oder rückstandslos entfernt werden kann, ist unkritisch. Der Rest gehört vorher schriftlich geklärt.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Renovierung oder ist eine neue Küche sinnvoller?
Entscheidend ist der Zustand der Korpusse und der Grundriss. Sind die Korpusse stabil, die Scharniere in Ordnung und der Grundriss praktisch, ist Renovieren fast immer die bessere Rechnung. Muss dagegen die Anordnung geändert werden, weil Wege zu lang sind oder Anschlüsse ungünstig liegen, dann löst keine neue Oberfläche das Problem.
Was macht man zuerst?
Alles, was Dreck macht, kommt zuerst: Fliesen, Boden, Wände. Danach die Arbeitsplatte, danach Fronten und Griffe, ganz zum Schluss Textilien und Deko. Diese Reihenfolge klingt banal, wird aber oft gedreht, und dann wird zweimal gearbeitet.
Kann man eine Arbeitsplatte auf alte Unterschränke legen?
Ja, das ist der Normalfall bei einer Renovierung. Voraussetzung ist, dass die Korpusse stabil und nicht durch Wasser aufgequollen sind. Das genaue Aufmaß ist entscheidend, weil alte Küchen selten exakt im Winkel stehen und die Platte sonst nicht sauber anschließt.
Was darf man in einer Mietwohnung verändern?
Alles, was rückstandslos entfernt werden kann, ist in der Regel unproblematisch: Folie, Textilien, freistehende Möbel, Rollwagen. Eingriffe an Fronten, Arbeitsplatte, Boden oder Fliesen gehören vorher mit dem Vermieter geklärt, am besten schriftlich. Viele stimmen zu, wenn die Küche in die Jahre gekommen ist.
Wie viel günstiger ist Renovieren als eine neue Küche?
Eine belastbare Zahl gibt es nicht, weil beides zu stark von Größe, Material und Eigenleistung abhängt. Verlässlich ist nur die Reihenfolge der Posten: Griffe und Leisten sind der kleinste, Fliesenlack und Folie der nächste, Arbeitsplatte und Boden der größte, und Geräte rechnen sich getrennt.
Der Unterschied zwischen einer renovierten und einer neuen Küche ist für den, der den Raum betritt, kaum zu sehen. Er liegt in den Schichten, die niemand anschaut: Korpusse, Scharniere, Auszüge, Anschlüsse.
Genau deshalb lohnt es sich, zuerst zu prüfen, was tatsächlich hinüber ist. Meistens ist es weniger, als der erste Eindruck vermuten lässt, und oft ist es nur eine einzige Schicht.
Wer bei der Farbe ansetzen will, findet die passenden Töne im Beitrag zu warmen Erdtönen, und wer den Grundriss selbst in Frage stellt, im Beitrag zu L-Form und U-Form.
